Ziele und Durchführung der Bewertung und Einschätzung der Studierenden und
des Curriculums im Reformstudiengang Medizin der Charité
Erarbeitet vom Prüfungsauschuss für den Reformstudiengang Medizin 20.11.2003
Der Reformstudiengang Medizin versteht unter Prüfungen Instrumente und Methoden
zur Bewertung und Einschätzung der Studierenden, des Curriculums und seiner
Umsetzung. Wir streben an, die engere Definition von Prüfungen als bestehensrelevante
Leistungsbewertungen um eine nicht bestehensrelevante Leistungseinschätzung
zu erweitern.
Der Reformstudiengang Medizin ist sich der lernsteuernden Wirkung von Prüfungen
bewusst. Die Prüfungen bestimmen zu einem großen Teil die Inhalte, die die Studierenden
lernen und die Art und Weise, wie sie diese Inhalte erlernen. Die Prüfungen
sollen daher eine positive Rolle im Lernen der Studierenden spielen.
Sie sollen die verschiedenen Dimensionen des ärztlichen Handelns (Wissen, Fertigkeiten
und Haltungen) erfassen.
Ziele
Die Prüfungen der Studierenden haben im Reformstudiengang Medizin der Charité
– Universitätsmedizin Berlin mehrere Ziele:
- Erfolgskontrolle: Sie sollen sicherstellen, dass die Studierenden
die Ausbildungsziele erreicht haben, die in der Approbationsordnung und der
Studienordnung festgelegt sind.
- Ersatz von Staatsprüfungen: Sie müssen die im Regelstudiengang im
Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung nachzuweisenden Kenntnisse, Fertigkeiten
und Fähigkeiten in einer dem Regelstudiengang gleichwertigen Weise prüfen.
(ÄAppO, § 41, Absatz 2 Nr. 3)
- Erfolgsabschätzung: Sie sollen darüber Aufschluss geben, ob sich
die Studierenden entsprechend der Studienordnung diejenigen Kenntnisse, Fertigkeiten
und Fähigkeiten angeeignet haben, die eine erfolgreiche Fortsetzung der Ausbildung
im jeweils folgenden Semester erwarten lassen.
- Motivation: Sie sollen die Studierenden motivieren, sich mit den
geplanten Inhalten zu beschäftigen. Sie soll die Lehrenden motivieren, die
geplanten Inhalte zu unterrichten.
- Feedback: Sie sollen den Studierenden rechtzeitig ein detailliertes
Feedback über ihren individuellen Lernerfolg geben, um ihnen die Möglichkeit
zu geben, Lücken zu schließen. Sie sollen den Lehrenden rechtzeitig ein detailliertes
Feedback über ihren individuellen Lehrerfolg geben. Sie sollen den Planern
des Curriculums rechtzeitig eine detaillierte Rückmeldung über den Erfolg
des geplanten Curriculums geben, um Mängel im Curriculum erkennen und beheben
zu können.
Jede einzelne Prüfung im Reformstudiengang Medizin verfolgt in der Regel mehrere
dieser Ziele.
Planung, Durchführung und Auswertung
Um die oben genannten Ziele zu erreichen sollen bei der Planung, Durchführung
und Auswertung der Prüfungen im Reformstudiengang verschiedene Qualitätsmerkmale
beachtet werden:
- Transparenz: Für jede einzelne Prüfung müssen deren Ziele klar benannt
werden. Die Inhalte der Prüfungen müssen klar und explizit sein. Im Reformstudiengang
Medizin sind das in der Regel die in den Semesterbüchern veröffentlichten
Lernziele. Die Bestehensgrenzen summativer Prüfungen müssen den Studierenden
vor der Prüfung bekannt sein.
- Validität: Für die Überprüfung der verschiedenen Dimensionen des
ärztlichen Handelns (Wissen, Fertigkeiten und Haltungen) sollen Methoden eingesetzt
werden, die die jeweilige Dimension möglichst direkt und dem Gegenstand angemessen
erfassen.
- Reliabilität, Objektivität und Verlässlichkeit: Die Prüfungsmethoden
und –prozesse sollen präzise, objektiv und verlässlich sein. Subjektivität
sollte so weit wie möglich ausgeschaltet werden.
- Integration: Die Prüfungen müssen von Anfang an fester Bestandteil
der Curriculumsplanung sein.
- Umfang und Zeitpunkt: Umfang und Zeitpunkt der Prüfungen sollen angemessen
sein. Das Lernen und das Lehren sollte nicht durch eine Überlast an Prüfungen
beeinträchtigt werden.
- Auswertung: Die Auswertung, Aufarbeitung und Darstellung der Prüfungsergebnisse
soll den Studierenden, Lehrenden und Planenden dabei helfen, ihre Stärken
und Schwächen zu erkennen.
- Evaluation und Verbesserung: Die Prüfungsmethoden und –prozesse
sollen beständig evaluiert, angepasst und verbessert werden. Kritik von Studierenden,
Lehrenden und Planenden an den Prüfungen soll im Sinne der Verbesserung ermutigt,
gefördert und berücksichtigt werden.
- Aufwand: Gibt es zur Prüfung bestimmter Inhalte oder einer bestimmten
Dimension des ärztlichen Handelns mehrere gleichwertige Prüfungsmethoden,
dann soll immer die Prüfungsmethode eingesetzt werden, die die personellen
und finanziellen Ressourcen der Fakultät am wenigsten belastet.
Prüfungsrahmenplan
Der Prüfungsrahmenplan umfasst die praktische Auslegung des Leitbildes für
Prüfungen im Reformstudiengang Medizin.
Der Prüfungsrahmenplan wird in zwei Teile aufgeteilt.
Der feststehende Teil umfasst die summativen Semesterabschlussprüfungen
und regelmäßig durchgeführte formative Prüfungen, die nicht zum variablen Bereich
gehören.
Der feststehende Teil beinhaltet u.a. den in §41, Absatz 2, Nr.3 der ÄAppO geforderten
Ersatz von Staatsprüfungen. Auf der Basis von Evaluationsergebnissen können
Änderungen im feststehenden Teil vorgenommen werden.
Der feststehende Teil der Prüfungen wird jeweils vom Prüfungsausschuss festgelegt
und rechtzeitig bekannt gegeben.
Der variable Prüfungsteil umfasst die Erforschung, Erprobung und Evaluation
von Methoden zur Prüfung von Ausbildungsinhalten, die durch den feststehenden
Teil nicht erfasst werden.
Projekte im variablen Teil sind vorrangig formativ und freiwillig. Unter bestimmten
Umständen kann es notwendig werden auch hier summative Prüfungen durchzuführen.
Hier können Änderungen von Semester zu Semester stattfinden. Entspricht eine
Prüfungsmethode den im Leitbild festgelegten Qualitätskriterien, kann sie in
den feststehenden Bereich übernommen werden. Der Prüfungsbereich informiert
die Arbeitsgruppe Reformstudiengang über die Projekte des variablen Bereiches.
Die Projekte des variablen Teils bedürfen der Zustimmung des Prüfungsausschusses.
Feststehender Bereich:
| 1. Semester |
MC |
OSCE |
| 2. Semester |
MC |
OSCE |
| 3. Semester |
MC |
OSCE |
| 4. Semester |
MC |
|
| 5. Semester |
MC |
OSCE |
| 6. Semester |
MC |
OSCE oder 7.Sem. |
| 7. Semester |
MC |
OSCE |
| 8. Semester |
MC |
OSCE |
| 9. Semester |
MC |
OSCE |
| 10. Semester |
|
OSCE |
Variabler Bereich:
Die Ausformulierung dieses Bereiches kann bei Interesse beim Prüfungsbereich
eingesehen werden, er ist nicht zur Veröffentlichung bestimmt. |