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Geschichte
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Ursprung und Entwicklung
Der Berliner Reformstudiengang Medizin entstammt einer studentischen
Initiative.
Im Wintersemester 1988/89 kam es im Rahmen bundesweiter studentischer
Protestmaßnahmen
an der Freien Universität Berlin zu einem umfassenden Streik der
Studierenden
(UNIMUT), der auf die von vielen als untragbar empfundenen
Studienbedingungen
aufmerksam machen und Verbesserungen bewirken sollte. Während in vielen
Bereichen der Universität die Verbesserungsbemühungen nach Beendigung
des Streiks nur zu kleinen Modifikationen des Routinebetriebs führten,
blieb eine Gruppe von Studierenden der Medizin in Form einer
„Inhalts-AG“
und später eines Projekttutoriums zur Reform des Medizinstudiums mit
dem Ziel aktiv, eine wirklich neue Studienform in der Medizin zu
etablieren.
Sie konnten den damaligen Dekan des Universitätsklinikums Rudolf
Virchow
(UKRV) der Freien Universität Berlin, Herrn Prof. Dr. med. Scheffner,
von ihrem Anliegen Überzeugen, so dass nach Überwindung einiger
formaler Hürden eine Planungsgruppe am UKRV mit dem Auftrag eingesetzt
wurde, ein Curriculum für einen Reformstudiengang Medizin zu
entwickeln.
Ein erster Entwurf des Curriculums wurde dem Wissenschaftsrat Mitte
1992
zur Begutachtung vorgelegt. In diesem waren Anregungen des von der
Robert-Bosch-Stiftung
geförderten Murrhardter Kreises ebenso berücksichtigt wie die
Vorschläge
der „Sachverständigengruppe beim Bundesministerium für Gesundheit
(BMG) zu Fragen der Neuordnung des Medizinstudiums“ und die
vielfältigen
Erfahrungen verschiedener Reformuniversitäten des Auslands. Die
Finanzierung
der Planungsarbeit erfolgte zu Beginn aus einem Sonderprogramm des
Bundes
zur Hochschulförderung und wurde später von der Fakultät Klinikum
Rudolf Virchow, der Freien Universität und schließlich der
Humboldt-Universität mit intensiver Unterstützung der
Robert-Bosch-Stiftung
fortgeführt. Aufgrund der vielfältigen Umstrukturierungen im Bereich
der Berliner Universitäten und Universitätskliniken, veränderte
sich die institutionelle Zuordnung mehrfach. Als letzter Schritt der
Fusion
wurde im Juni 2003 die Bildung einer gemeinsamen Fakultät aus der
Charité,
mit ihren drei Campi Virchow-Klinikum, Mitte, Buch und dem
Universitätsklinikum
Benjamin Franklin der Freien Universität Berlin unter dem Namen
„Charité
– Universitätsmedizin Berlin“ vollzogen.
Idee des Reformstudiengangs Medizin in Berlin
Die Intention der Studierenden, die zur Entwicklung des neuen Curriculums
führte, basierte im Wesentlichen auf zwei Kritikpunkten am herkömmlichen
Studium: Zunächst einmal waren die Studierenden mit den allgemeinen
Studienbedingungen unzufrieden. Der Wissensstoff wurde, überwiegend
in – zumindest zu Beginn des Semesters bzw. Studiums – überfüllten
Veranstaltungen in Vorlesungsform angeboten, der die Studierenden in eine
passive Rolle bringt. Nicht nur Fächer wie Anatomie, Physiologie und
Biochemie wurden weitgehend isoliert voneinander dargestellt, auch den klinischen
Disziplinen fehlte der gemeinsame Bezug. Die Studierenden forderten eine
grundlegende Revision der Lehr- und Lernbedingungen und eine stärkere
Beteiligung an der Gestaltung des Unterrichts. Sie wollten mehr Verantwortung
für den eigenen Lernprozess und für die Gestaltung des Studienablaufs
übernehmen, drangen aber auch auf eine inhaltliche Revision. Ihre Forderungen
nach einer neuen Gewichtung der Lehrinhalte beschränkten sich nicht
nur darauf, den Unterricht praxisbezogener zu gestalten und die Inhalte durch
sinnvolle Verknüpfung theoretischer und klinischer Aspekte anschaulicher
zu machen. Es wurde auch kritisch hinterfragt, ob das überwiegend naturwissenschaftlich
orientierte Menschenmodell, wie es in der Hochschulmedizin traditionell vorherrscht,
ausreichend ist, die Vielzahl körperlicher und psychischer Störungen
und ihre gegenseitige Beeinflussung verstehen und adäquat behandeln
zu können. Eine weitere Forderung war daher, naturwissenschaftliche
Aspekte nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit den psychischen Bezügen
und ihrer sozialen Bedeutung patientenorientiert zu vermitteln und wissenschaftliche
Grundlagen einer „ganzheitlichen“ Heilkunde zum Studieninhalt zu machen. |
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